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Modell der neuen Klärschlammfaulung

Die Stadtentwässerung Frankfurt am Main plant, auf ihrem Gelände in Sindlingen die Klärschlammbehandlung und -entsorgung komplett zu erneuern. Mit dem Bau der neuen Anlagen schaffen wir es:

  • den Klärschlamm aus der Abwasserreinigung von rund 1,14 Millionen Menschen in Frankfurt am Main und den angeschlossenen Nachbargemeinden langfristig noch besser zu entsorgen.
  • die Umweltbelastungen – im Vergleich zu der bestehenden Anlage – wesentlich zu reduzieren.

Wie wir das erreichen wollen? In dem wir auf eine nachhaltige Verfahrenskombination aus Klärschlammfaulung und -verbrennung setzen. Diese Kombination ermöglicht uns:

  • die gestiegenen Anforderungen an die Reinhaltung von Luft und Gewässern einzuhalten,
  • die im Klärschlamm gebundene, regenerative Energie bestmöglich für die Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen,
  • das Volumen des heute anfallenden Klärschlamms deutlich zu reduzieren,
  • die vorhandenen Flächen optimal zu nutzen.

Bisherige Klärschlammentsorgung in die Jahre gekommen

Die Abwässer der Stadt Frankfurt am Main und den angeschlossenen Nachbargemeinden werden derzeit in Sindlingen und in Niederrad gereinigt. Der Klärschlamm aus diesen städtischen Anlagen wird schon lange nicht mehr – wie früher üblich - in der Landwirtschaft eingesetzt. In Frankfurt wird er deshalb seit den 80er Jahren in der Schlammentwässerungs- und -verbrennungsanlage, wie der Name schon sagt, zunächst entwässert und dann verbrannt. Diese fast 40 Jahre alte Anlage ist zwar stets saniert und instandgehalten worden, entspricht heute aber nicht mehr dem Stand der Technik.

Eine Lösung mit kurzen Wegen

Deshalb planen wir neue Anlagen für die Klärschlammbehandlung. Über Jahre haben wir mit mehreren Studien die bestmögliche Technik für Frankfurt gesucht: mit einem besseren Schutz der Anwohner*innen vor Lärm und Geruch und einem möglichst geringen Eingriff in bestehende Systeme und die umgebende Tier- und Pflanzenwelt. Mit der jetzt geplanten Klärschlammfaulungsanlage und dem zugehörigen Blockheizkraftwerk können wir diese Ziele erreichen. Sie werden in einem ersten Schritt neu gebaut.

Weiterer wichtiger Bestandteil der geplanten Klärschlammentsorgung ist die Faulschlammverbrennungsanlage. Sie wird aktuell geplant und muss noch von dem zuständigen städtischen Gremium beschlossen werden. Für ihre Umsetzung wird ein eigenständiges Genehmigungsverfahren durchgeführt.

Die neuen Anlagen werden auf dem bestehenden Gelände der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Sindlingen stehen, so dass kein neues Gelände erschlossen werden muss. Der Schlamm, der nebenan bei der Abwasserreinigung anfällt, kann so weiter direkt bearbeitet und die bestehende Schlammdruckleitung von der ARA in Niederrad nach Sindlingen genutzt werden.

Klärschlammfaulung – riecht besser als es klingt

In der neuen Anlage wird der Schlamm zunächst mit Zentrifugen bei niedriger Drehzahl eingedickt. Danach aber wird er in Faultürmen stabilisiert, bevor er verbrannt wird. Was sich so unappetitlich anhört, ist in Wirklichkeit eine deutliche Verbesserung für die Anwohner*innen. Der Schlamm fault unter Luftabschluss über mehrere Wochen in vier Türmen. Das Substrat, das den Turm verlässt, ist weitgehend stabil, zersetzt sich nicht weiter und gibt dadurch auch keine unangenehm riechenden Gase ab. Der Prozess verringert so deutlich die Geruchsbelastung. Außerdem reduziert er das zu entsorgende Schlammvolumen um ein Drittel und nach der Entwässerung in Hochleistungs-Zentrifugen um weitere 75 %.

Zeig die Energie, die in dir steckt

Während der Faulung in den Türmen entsteht unter anderem Methan. Es wird aufgefangen und in das neu zu errichtende Blockheizkraftwerk geleitet. Dort wird das entstandene Methan verbrannt, die entstehende Wärme zum Teil in Strom umgesetzt, zum Teil wird sie den Faultürmen wieder zugeführt. Sie hält so ohne zusätzliche Energiezufuhr den Faulungsprozess in Gang und heizt außerdem noch die Betriebsräume. Der in der ARA Sindlingen erzeugte Strom – ca. 35 Millionen Kilowattstunden pro Jahr oder so viel wie der Verbrauch von 10.000 Vier-Personen-Haushalten – wird direkt genutzt und reduziert folglich den externen Strombezug.

Wertvolle Rohstoffe wiedergewinnen

Außerdem kann die Stadtentwässerung Frankfurt am Main nur mit einer modernen Anlage wie der jetzt geplanten die Umweltauflagen einhalten, die zwar heute noch nicht gelten, aber in ein paar Jahren in Kraft treten. So enthält Klärschlamm zum Beispiel Phosphor. Dies ist ein essenzielles Element, das für viele Lebensvorgänge unverzichtbar ist und nur begrenzt zur Verfügung steht. Früher wurde dieser Phosphor den natürlichen Kreisläufen wieder zugeführt, als Klärschlamm noch auf Felder ausgebracht wurde. Um den kostbaren Stoff nicht zu verlieren, muss er zukünftig aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden und dies ist mit der neuen Anlage und der geplanten Verbrennung besonders effizient möglich.

Offenlegung der Pläne vom 3. Mai bis zum 2. Juli 2021

Der Baubeginn für die neue Schlammfaulungs- und Entwässerungsanlage ist für 2022 geplant und die Fertigstellung wird für 2026 erwartet. Für die Genehmigung der Anlage muss ein Planfeststellungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz und dem Wasserhaushaltsgesetz durchgeführt werden.

Mit der Veröffentlichung der Baumaßnahme im Staatsanzeiger des Landes Hessen am 26.4.2021 hat die Öffentlichkeit vom 3. Mai bis zum 2. Juni 2021 die Möglichkeit, die Genehmigungsunterlagen vollständig einzusehen und ggf. Einwendungen bis zum 02. Juli 2021 einzureichen. Die Unterlagen werden hierfür beim Regierungspräsidium Darmstadt – Abteilung Umwelt Frankfurt, der Stadt Kelsterbach, der Stadt Hattersheim und in der Verwaltungsstelle Höchst der Stadt Frankfurt am Main ausgelegt. Der Erörterungstermin soll am 26.07.2021 stattfinden.

Eine Auswahl der ausgelegten Unterlagen mit einem Projektbericht, wichtigen Umweltgutachten und dem vollständigen Inhaltsverzeichnis der Genehmigungsunterlagen finden Sie hier .