Inhalt

Nachricht

Geruchsuntersuchungen in den Wohngebieten Kelsterbach

Bericht über die Durchführung von Immissionsmessungen, Stand 04.04.2014

 

Einleitung

In der Umwelt können Geruchsbelästigungen aus verschiedenen Anlagen sowie aus dem Kfz-Verkehr, Hausbrand, landwirtschaftlichen Düngemaßnahmen und der Vegetation verursacht werden. Die Belästigung einer Einzelperson kann auch bei einmaligem Riechen eines von dieser Person als unangenehm empfundenen Geruchs entstehen. Die Regelung von Geruch in der Umweltgesetzgebung greift, wenn eine Anzahl von Menschen erheblich belästigt ist.

Das Kriterium der „erhebliche Belästigungen“ durch Geruch ergibt sich aus der Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL). Eine erhebliche Belästigung liegt nach GIRL vor, wenn in einem Wohngebiet mehr als 10% der Jahresstunden und in Gewerbegebieten mehr als 15% der Jahresstunden mit Geruch belastet sind.

Zur Bewertung nach GIRL zählen hierbei nur die Gerüche aus gewerblichen Anlagen. Gerüche wie beispielsweise aus dem KfZ-Verkehr, privaten Küchen und privater Holzfeuerung sowie aus dem Kanalisationsnetz, der Müllabfuhr oder der landwirtschaftlichen Düngung zählen hier nicht hinzu; sie sind nicht eindeutig einem Verursacher zuzuordnen.

Die Messgröße ist der Geruchszeitanteil, also die Häufigkeit, mit der die Erkennungsschwelle des zu prüfenden Geruchs in der geprüften Luft überschritten ist und der Geruch eindeutig erkannt wird.

 

Wie wird der Geruchzeitanteil gemessen?

Bei Geruchsimmissionen ist ein Nachweis durch physikalisch-chemische Messverfahren in der Regel nicht möglich, da Gerüche meist durch komplexe Stoffgemische verursacht und schon in sehr geringer Konzentration wahrgenommen werden. Daher bedient sich die Bestimmung von Geruchsstoffimmissionen der direkten Wirkung auf den menschlichen Geruchssinn.

Hierzu beurteilen eignungsgeprüfte und geschulte Testpersonen (Probanden) nach einem in technischen Richtlinien beschriebenen Verfahren, wie häufig sie zu festgelegten Zeiten an vorab definierten Punkten im Immissionsbereich Gerüche wahrnehmen.

 

Untersuchungen in den Wohngebieten Kelsterbach

Im Zeitraum 23.10.2012 bis 24.10.2013 wurden durch die nach § 26, 28 BImSchG bekanntgegebene und nach ISO 17025 akkreditierte Messstelle der Odournet GmbH Messungen nach GIRL und VDI 3940 Blatt 1 zur Bestimmung der Geruchsimmissionssituation in den Wohngebieten Kelsterbach durchgeführt. Die Abstimmung der Messplanung erfolgte vor Beginn der Untersuchungen mit der Stadtentwässerung Frankfurt am Main, die Lage der Messpunkte wurde zusätzlich mit der Stadt Kelsterbach abgestimmt. Hierbei waren die Termine der Begehungen der Auftraggeberin, Stadtentwässerung Frankfurt am Main, nicht bekannt.

Die entsprechend der Vorgaben betrachteten Immissionsorte sind in Abbildung 1 ersichtlich. Ziel der Untersuchungen war es, die von der zentralen Schlammentwässerungs- und -verbrennungsanlage (SEVA) und der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Frankfurt-Sindlingen verursachte Geruchsbelastung im Bereich der Wohngebiete Kelsterbach zu ermitteln.

Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt und umgebende Immissionsorte. Belastung durch die Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt
Abbildung 1: Belastung durch die Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt - Doppelklick für Vollbildansicht

 

Insgesamt wurden die Geruchsimmissionen an 104 Terminen und 34 Immissionsorten untersucht und daraus die Belastungen für 21 Beurteilungsflächen ermittelt. Die mehr als 880 Untersuchungen mit ca. 53.000 Einzelbewertungen waren dabei gleichverteilt auf alle Wochentage und Tageszeiten. Im Untersuchungszeitraum 2012 / 2013 herrschten eine repräsentative meteorologische Situation und repräsentative Betriebsbedingungen der Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt, so dass die Untersuchungen auf andere Jahre übertragbar sind.

 

Ergebnisse der Untersuchungen

Es wurden die eindeutigen Geruchscharaktere „Vorklärung“, „Belebung“, „Nachklärung“ und „Klärschlamm“ den Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt am Main zugeordnet. Im Untersuchungszeitraum wurden im Untersuchungsgebiet nur Gerüche der „Vorklärung“ sowie „Klärschlamm“ wahrgenommen.

Im Bereich von Kelsterbach sind die Gerüche der Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt am Main auf einer der untersuchten Rasterflächen in bis zu 2 % der Jahresstunden wahrnehmbar (Rasterfläche D1). Auf weiteren untersuchten Rasterflächen liegt die Geruchsimmissionshäufigkeit bei 1 % (Rasterflächen A1, B1, B2, C1, C2, D2, E1, E2). Auf den übrigen Rasterflächen wurden keine relevanten Geruchsimmissionshäufigkeiten von der ARA / SEVA Sindlingen ermittelt wie auch in Abbildung 1 dargestellt.

Die im Rahmen dieser Geruchsimmissionsmessung vom 23.10.2012 bis 24.10.2013 ermittelten Immissionshäufigkeiten zeigen, dass die durch die zentrale Schlammentwässerungs- und -verbrennungsanlage (SEVA) sowie die Abwasserreinigungsanlage (ARA) hervorgerufenen Gerüche in den Immissionsgebieten in Kelsterbach deutlich unterhalb des Immissionswertes von 10% (0,10) für Wohn-/Mischgebiete liegen. Es ist entsprechend davon auszugehen, dass durch die Gerüche der Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt (a.M.) keine erheblichen Belästigungen hervorgerufen werden.

Weitere Geruchscharaktere wurden noch vorgegeben (z.B. Abwasserkanal, IP Höchst, etc.). Von den diesen Geruchscharakteren wurden einige nicht wahrgenommen, andere mit unterschiedlichen Häufigkeiten. So wurden die Geruchscharaktere „IP Höchst“, „sonstige industrielle Gerüche“ und „Kompostierung“ während des Untersuchungszeitraumes durch die Prüfer nicht wahrgenommen. Der Geruchscharakter „Brennstoffaufbereitung“ wurde auf zwei Rasterflächen mit je 1% der Jahresstunden ermittelt.

Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt und umgebende Immissionsorte. Belastung durch Gerüche aus dem Abwasserkanal
Abbildung 2: Belastung durch Gerüche aus dem Abwasserkanal - Doppelklick für Vollbildansicht

 

Gerüche mit der Charakteristik „Abwasserkanal“ wurden mit Häufigkeiten von bis zu 2% der Jahresstunden auf einigen Flächen (J1, J2, H2, G1, E1, D1, C1) wahrgenommen. Damit liegt die Wahrnehmungshäufigkeit dieser Gerüche ähnlich den Gerüchen, die durch die Anlagen der Stadtentwässerung Frankfurt (a.M.) hervorgerufen wurden. Da die Charakteristik beider Gerüche ähnlich ist, kann eine Zuordnung zur jeweiligen Quelle oft nur durch die Beachtung zusätzlicher Randbedingungen, wie zum Beispiel der vorliegenden Windrichtung oder der Reichweite der Geruchswahrnehmung erfolgen. Die Unterscheidung für den Bürger ist schwierig bzw. nicht möglich.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Gesamtbelastung, die durch alle gewerblichen Anlagen hervorgerufen wird, deutlich den Immissionswert für Geruch von 10% (0,10) für Wohngebiete unterschreitet.